Es gibt unzählige Möglichkeiten für ein Terrarium, aber nicht jedes Terrarium ist für eine Schildkröte geeignet. Wer etwas handwerkliches Geschick besitzt und kreativ ist, kann wunderbare Möglichkeiten schaffen und das auch noch zur Schonung des Geldbeutels.

Deshalb möchte ich verschiedene Varianten - von der gekauften, alternativen und der Marke Eigenbau - vorstellen.


Wer die Wahl hat, hat die Qual!
Immer wieder ist zu hören, dass viele Schildkrötenhalter ihre Tiere in einem Terrarium aus Glas halten, wie es im Handel angeboten wird. Dies sind ganz normale Terrarien, die aber relativ klein sind, enorm teuer und völlig ungeeignet! Die kleinsten Terrarien von ca. 100x50x50 kosten ungefähr 120 € und mehr. Desweiteren eignen sich diese Terrarien aus Glas für Schildkröten überhaupt nicht. Schildkröten erkennen keine transparenten Flächen und es wird oft davon berichtet, dass einige Tiere apathisch am Glas auf und ab laufen. Sie erkennen diese „Grenze“ nicht. Hinzu kommt, dass oft Panzerab- schürfungen an den Randschilden sowie völlig abgenutzte Krallen (vom Kratzen am Glas) zu erkennen sind. Weiterhin sind Glasterrarien komplett geschlossen und es ist nicht möglich verschiedene Temperaturzonen einzurichten. Außerdem ist keine ausreichende Belüftung vorhanden. Die Befestigung von Technik ist schwierig und das Bodensubstrat trocknet viel zu schnell aus, was dann zur Höckerbildung führen kann. Ein Terrarium für Schildkröten muss oben offen sein. Leider muss ich wieder auf die teilweise falsche Beratung im Zoofachgeschäft hinweisen, wobei gern geschlossene Terrarien als ideale Unterkunft empfohlen und dann auch gekauft werden. Nicht umsonst sind viele Schildkröten aus Terrariumhaltung höckrig und überfettet – man nennt sie auch „Dampfaufzuchten“. Deshalb kann ich von einem herkömmlichen Terrarium für europäische Schildkröten nur abraten. Anders ist es bei Steppen-, Savannen- und Tropenbewohner, wobei diese Behältnisse bei der zu erreichenden Endgröße auf Dauer viel zu klein sind.



handelsübliche, geschlossene Terrarien aus Vollglas...


...und eine Kombination aus OSB-Platten und Glastüren


Alternativen?
Eine recht gute Behausung für die kälteren Jahreszeiten, kranke oder in Quarantäne gehaltene Schildkröten sind einfache Aquarien. Diese sind oben offen, aber allerdings auch aus Vollglas und relativ hoch, was nicht unbedingt benötigt wird. Hier bleibt nur die Möglichkeit, den unteren Teil von ca. 20 cm rundherum von außen abzukleben, damit die Schildkröten sie als Begrenzung erkennen. Hierzu eignen sich z. B. selbstklebende Folien, wie sie zur Möbelrestaurierung benutzt werden. Käuflich sind diese in jedem Baumarkt zu erwerben. Eine Abklebung mit einfachen Papier und Klebestreifen tut es notfalls auch – Hauptsache es ist nicht mehr transparent. Man kann den oberen Teil auch mit einer Gitterabdeckung versehen. Es muss jedoch jeder Zeit eine gute Luftzirkulation gewährleistet sein. Nützlich sind Gitter wenn man noch weitere Haustiere wie Katze oder Vogel hält. Aquarien haben nur den Nachteil, sie sind fast genauso teuer wie Glas-Terrarien, dazu schwer und unhandlich. Dennoch kann ich sie empfehlen, da sie der Anforderung einer Schildkröte gerecht werden.


BILDER FOLGEN
handelsübliche Aquarien in diversen Größen und Formen aus Vollglas


Für Schlüpflinge oder kleine Tiere, die nur kurzzeitig untergebracht werden müssen, eignen sich auch sämtliche Behältnisse aus PVC, wie z. B. Stapelkisten, Euroboxen oder Mörtelwannen. Sie müssen nur hoch genug sein, damit die Tiere diese nicht überkletten können und die Technik noch befestigt werden kann. Sie haben den Vorteil, dass sie schnell hin und her getragen werden können, z. B. bei Sonnenschein auf die Terrasse, Balkon oder bei der Vorbereitung zur Winterstarre in einen kühleren Raum. Die Schildkröten werden hierbei nicht unnötig gestresst. PVC-Behälter lassen sich außerdem wunderbar einfach reinigen, desinfizieren, sind oft stapelbar und kosten dazu nur ca. 10 – 30 € (je nach Größe). 


   
Verschiedene Behälter, die für Schlüpflinge ideal sind, sich stapeln lassen und gut zu transportieren sind.


 
Auch diese Behälter sind sehr vorteilhaft und es gibt sie in zahlreichen Größen und Höhen.


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Diese Behälter sind eher ungeeignet, da sie transparent sind; abgeklebt jedoch wieder sehr brauchbar, außerdem sind sie sehr günstig in der Anschaffung.



Marke Eigenbau

Dies ist mein Favorit. Ich musste vor 2 Jahren zwei Tiere (3 Jahre) kurzzeitig im Terrarium halten, da ich sie neu aufgenommen habe, kein Freigehege mehr frei hatte (außerdem war es Winter) und sie erstmal gründlich entwurmt werden mussten. Hierzu hat mir mein Mann ein Terrarium aus OSB-Platten von der Größe 160x100x50 gebaut. OSB-Platten kann man in jedem größeren Baumarkt fachgerecht zuschneiden lassen. Innen wurde das Terrarium mit Epoxidharz (Naturprodukt) gestrichen, damit keine Feuchtigkeit in das Holz eintritt. Darüber hat er mir einen „Bügel“ gebaut, wo ich bequem die Lampen, Kabel, Transformator etc. anbringen konnte. Die beiden haben sich darin sehr wohl gefühlt, nie auch nur den Versuch gestartet auszubrechen und auch nicht mit den Krallen gekratzt. Sie haben die natürliche Begrenzung erkannt und akzeptiert. Außerdem hat mich der gesamte Bau nicht mal 50 € gekostet. Für diese Größe, würde man im Handel locker 200-300 € und mehr bezahlen. Der Vorteil liegt darin, dass man die Endgröße selbst bestimmen kann. Der Nachteil ist, dass man viel Platz benötigt und das Terrarium nicht so einfach mal hin und her tragen kann, aber das war von mir auch nicht beabsichtigt. Durch die Größe, konnten drei verschiedene Temperaturzonen eingerichtet werden: eine sehr warme – dort wo die Wärmelampe/Tageslicht hängt, eine mittelwarme – UV-Lampe mit Futterplatz sowie eine kühlere, feuchte und dunklere Zone – zum zurückziehen, schlafen, einbuddeln.



Marke Eigenbau aus OSB-Platten mit Vollausstattung. Zwei Testudo hermanni hermanni nach ihrer Ankunft im Winter (Notaufnahmetiere).


Alternativ kann man ein Terrarium auch aus Siebdruckplatten oder Karosserie-/Fahrzeugbau- platten (erhältlich im “Bauhaus“, Internet oder ebay). Siebdruckplatten haben den Vorteil, dass sie sehr witterungsbeständig (Feuchtigkeit), versiegelt und aus verleimten Sperrholz bestehen. Hier beginnt der m² -Preis bei ca. 15 €, je nach Stärke. Diese Platten sind allerdings sehr langlebig und werden gern von Schildkrötenhaltern verwendet.



Siebdruckplatten oder Karosserieplatten (auch Phenolharzbeschichtete Planboardplatten,
Anhängerplatten oder Schalungsplatten genannt)



Die richtige Größe
Hier sind wir auch schon da angekommen, wo die meistens Fehler entstehen. Ich kann aus eigenen Gesprächen, Telefonaten und E-Mail-Verkehr berichten, dass der Platz für ein bis zwei Schildkröten, die im Terrarium gehalten werden, grundlegend viel zu wenig ist. Es gibt Mindesthaltungsbe- dingungen, die auch als solche umgesetzt werden müssen (nicht sollten, sondern müssen)! Dies wissen jedoch die wenigsten.

Die Faustregel für 2 Tiere sagt, die 8fache Länge der größten Schildkröte und die Hälfte der Gesamtlänge (je nach Art)! Ab dem dritten Tier sind 10 % und ab dem fünften Tier sogar 20 % hinzuzurechnen.

Beispiel:
Schildkröte A hat eine Panzerlänge (PL) von 10 cm und Schildkröte B von 8 cm.
10 cm x 8 = 80 cm (Länge) 80 cm : 2 = 40 cm (Breite)
( 8 cm x 8 = 64 cm (Länge) 64 cm : 2 = 32 cm (Breite))

Zwei solche Schildkröten werden beispielsweise in einem Terrarium von 100 x 50 x 50 cm gehalten. Laut Mindesthaltungsbedingungen wäre dies rein theoretisch betrachtet ausreichend… jedoch nur für wenige Monate. Da mir selbst diese Mindesthaltungsbedingungen viel zu gering sind, lehne ich eine grundlegende und dauerhafte Haltung von europäischen Schildkröten im Terrarium ab! Sie gehören einfach ins Freiland.



Standort
Der Standort für ein Terrarium sollte genau gewählt werden. Die Umgebungstemperatur muss der Art entsprechen, der Raum darf weder zu dunkel sein, noch darf das Terrarium direkter Sonnenein- strahlung (Überhitzungsgefahr!) ausgesetzt werden. Ebenfalls ist ein Standort direkt oder über der Heizung nicht zu wählen, da das Substrat zu schnell austrocknet und Wärme „von unten“ unnatürlich ist. Die Luftfeuchtigkeit (zwischen 60-70%) ist zu beachten, die in einem normal beheizten Raum (ca. 35-40 %) viel zu gering ist. Bei geeignetem Substrat, muss man dieses immer feucht halten, dann hält sich auch die Luftfeuchtigkeit in einem Raum. Es muss auch gewährleistet sein, dass in einem Raum die verschiedenen Jahreszeiten simuliert werden können. Der Raum sollte ein Fenster haben, wodurch natürliches Tageslicht einfallen kann.


Dieses Terrarium (Nagerkäfig) war kurzzeitig eine Notlösung, hat aber den Zweck voll und ganz erfüllt. Es stand in einem Raum, der nicht beheizt wurde, mit zwei Fenstern und Tageslichteinfall.


Sinnvoll sind Räume, die auch kurzzeitig nicht beheizt werden müssen, um z. B. den Schlüpflingen im Herbst eine naturnahe Vorbereitung zur Winterstarre zu ermöglichen. Eine Öffnung des Fensters (geklappt) kann bei der Vorbereitung zur Starre hilfreich sein, um die gewünschten Temperaturen – insbesondere nachts - zu erreichen. Dabei ist zu beachten, dass die Tiere keinerlei Zugluft ausgesetzt werden.


Letztes Update: 26. Februar 2008